
Ein zentrales Thema aus meiner Mentoring-Praxis
In gleich drei meiner letzten Mentoring-Sessions kam ein Thema so eindringlich auf, dass ich es heute mit Dir teilen möchte: Entscheidungen treffen.
Viele meiner Mentees stecken nicht fest, weil sie keine Optionen hätten – sondern weil es zuviele sind und sie sich nicht entscheiden können.
Sie grübeln, vergleichen, zögern – und verlieren dadurch Energie, Zeit und Selbstvertrauen.
Das gipfelt dann in Selbstaussagen wie „ich kann mich nicht entscheiden“. Als sei das ein unverrückbares Naturgesetz. Und mit der Zeit werden diese Aussagen zu einem Selbstbild.
Instinkt oder Analyse? Beides ist erlaubt
Entscheidungen kann man aus dem Bauch heraus treffen, eine Münze werfen – oder bewusst analysieren. Für kleine Entscheidungen mag Intuition reichen. Doch bei größeren Weichenstellungen lohnt es sich, strategisch vorzugehen.
Eine bewährte Methode ist natürlich: Zuerst das Problem identifizieren.
Tools, die Dir dabei helfen, Klarheit zu gewinnen
Das Eisenhower-Prinzip: Trenne Wichtiges von Dringendem
Diese Methode teilt Aufgaben in vier Kategorien:
- Wichtig & dringend → sofort tun
- Wichtig & nicht dringend → planen
- Dringend & unwichtig → delegieren
- Weder wichtig noch dringend → streichen
Diese Einteilung schafft Fokus – und verhindert, dass Du Dich für scheinbar scheinbar dringende, aber irrelevanten Aufgaben entscheidest.
Das Pareto-Prinzip: 80 % Wirkung mit 20 % Einsatz
80 % Deiner Ergebnisse stammen aus 20 % Deiner Aktivitäten. Frag Dich also:
„Welche Entscheidung bringt mir den größten Nutzen mit dem geringsten Aufwand?“
Das hilft Dir, Dich auf die wirklich einflussreichen Hebel zu konzentrieren. Auch das ist eine gute Möglichkeit, auf die Frage „was tue ich zuerst?“ eine Antwort
Die Faktorenliste – Balanced Scorecard
Ein Beispiel: Zwei Wohnungen. Die eine günstig, aber weit weg vom Job. Die andere zentral, aber teuer. Was wiegt schwerer?
Hier hilft es, eine Faktorenliste zu erstellen (z. B. Preis, Lage, Größe) und diese Prioritäten zu gewichten. Noch besser: Erstelle eine Punktetabelle und bewerte jede Option anhand klarer Kriterien. So entsteht ein objektives Bild – und oft eine überraschend klare Richtung.
Tricks Dein Gehirn aus: Mini-Unterbrechungen & Perspektivwechsel
Wusstest Du, dass eine kurze Ablenkung Dir helfen kann, bessere Entscheidungen zu treffen? Studien zeigen:
Eine zweiminütige Pause mit einer leichten kognitiven Aktivität (z. B. Sudoku, Puzzle, Mini-Spiel) aktiviert unbewusste Denkprozesse – und fördert überraschende Einsichten.
Ein weiterer Trick: Denk in der dritten Person. Stell Dir vor, ein guter Freund hätte genau dieses Problem – welchen Rat würdest Du ihm geben? Dieser Perspektivwechsel macht den Kopf frei für objektivere Lösungen.
Eine weitere Möglichkeit die Frage
„Was wird in einem Jahr noch wichtig sein?“
Diese Perspektive relativiert kleinere Entscheidungen und lässt erkennen, dass sie langfristig oft gar keine Rolle spielen.
Denn: Nicht zu entscheiden ist auch eine Entscheidung. Und zwar die, alles beim Alten zu lassen und vor der gleichen Entscheidung erneut zu stehen, weil man ja nur aufgeschoben hat. Sich das immer wieder klar zu machen hat auch mir viel geholfen.
Fazit: Entscheidungen treffen ist ein Training – kein Test
Es gibt selten ein eindeutiges „richtig“ oder „falsch“. Was zählt, ist, dass Du überhaupt handelst – und aus jeder Entscheidung lernst. Mit klarem Blick, passenden Tools und etwas Mut findest Du auch in komplexen Situationen Deinen Weg. Training ist beispielsweise auch der folgende angewandte Vorsatz: „heute treffe ich jede kleinere Entscheidung in höchstens 30 Sekunden.“ Und mit etwas Beibehalten dieser guten Gewohnheit gehört das Selbstbild vom Anfang des Artikels bald der Vergangenheit an.

